Kirchenburg

Am Rand des Harbachtals, im Dorf Hosman – auf Deutsch Holzmengen genannt –, steht eine der ältesten Kirchenburgen Siebenbürgens. Der Ort selbst wird bereits 1381 erstmals urkundlich erwähnt, unter dem Namen Holzmenia. Seine Geschichte war jedoch nicht ungestört: 1449 wurde das Dorf von Vlad III. Drăculea zerstört und blieb danach für einige Zeit verödet, ehe es um 1500 wieder besiedelt wurde. Die Kirchenburg selbst ist älter als diese Zerstörung – sie reicht in ihrem Kern bis ins 13. Jahrhundert zurück und hat damit acht Jahrhunderte Dorfgeschichte überdauert.

Von der ursprünglichen romanischen Basilika ist heute nicht mehr alles erhalten. Umbauten, Befestigungen und schlicht die Zeit haben ihre Spuren hinterlassen. Was bis heute besteht, sind vor allem das Westportal und die Pfeiler mit den Arkaden, die einst das Hauptschiff von den Seitenschiffen trennten. Gerade das Westportal gilt als bedeutendes Zeugnis romanischer Bauplastik in Siebenbürgen: Die Steinmetzarbeiten mit ihren Relieffriesen sind in dieser Qualität selten in der Region erhalten geblieben.

Ein Detail des Portals gibt bis heute Rätsel auf. Wer genau hinsieht, entdeckt im Turm über dem Eingang ein eingemauertes Relief mit zwei Gestalten. Die einen deuten es als Darstellung der Taufe Jesu im Jordan, andere vermuten Adam und Eva. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht – und so bleibt jedem Besucher und jeder Besucherin die eigene Interpretation überlassen. Es ist dieses Zusammenspiel aus historischer Substanz und offener Deutung, das die Kirchenburg zu mehr macht als einem bloßen Baudenkmal.

Wie viele Kirchenburgen Siebenbürgens ist auch die von Holzmengen kein Ort, der nur besichtigt wird – sie muss aktiv erhalten werden. Verwitterndes Mauerwerk, ein undichtes Dach, wuchernder Bewuchs: All das braucht regelmäßige Pflege, die von außen finanziert und organisiert werden muss. Genau hier setzt die Arbeit der Jugendburg an. Im benachbarten, zum Jugendbegegnungszentrum umgebauten Pfarrhaus kommen Gruppen zusammen, die sich nicht nur begegnen, sondern bei Werkstattwochenenden auch direkt mit anpacken – beim Verputzen, Reparieren, Aufräumen. Spendenaktionen, wie etwa Radtouren entlang der Donau zugunsten der Kirchenburg, ergänzen diese Arbeit vor Ort.

So bleibt die Kirchenburg von Holzmengen kein stilles Denkmal am Rand eines siebenbürgischen Dorfes, sondern ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart ineinandergreifen: alte Steine, die durch junge Hände weitergetragen werden.